Historische Kapelle Bad König  (Fotos: R. Veit/HGV Bad König e.V.)

 

 

 

 

“Die Pingsdorfer Keramik ist eine hartgebrannte irdene Warenart, die zwischen dem späten 9. und dem 13. Jahrhundert in verschiedenen Töpferzentren am Ostrand der rheinländischen Vorgebirgsschwelle sowie am Niederrhein produziert wurde. Charakteristisch für Gefäße der Pingsdorfer Ware ist ein gelblicher, feinsandgemagerter Scherben und eine rote Bemalung. Sie ist an zahlreichen mittelalterlichen Siedlungsplätzen in Nordwesteuropa archäologisch nachweisbar und somit ein wichtiger Zeitmarker für die Mittelalterarchäologie. Eponymer Herstellungsort  ist der Brühler Ortsteil Pingsdorf.”  (Zitiert nach wikipedia- Pingsdorfer Keramik- Absatz 1/Stand: 27.08.2019)

 

 

(Hinweis: Diese Seite befindet sich im Aufbau, wird gelegentlich fortgeführt.)

Bad König im Odenwald (Stadtteil Zell). Der Heimat- und Geschichtsverein Bad König e. V. weist daraufhin, dass zurzeit zwei Austellungen der weltweit berühmten und aus dem Odenwald stammenden “wichtigen deutschen Künstlerin “* Rebecca Horn in zwei europäischen Nachbarländern stattfinden:

 

Basel, Museum Tinguely: “Rebecca Horn. Körperphantasien”. Bis 22. September 2019.  Katalog 42 Franken.

Metz, Centre Pompidou Metz: “Rebecca Horn. Théâtre des métamorphoses.” Bis 13.1.2020.  Katalog 36 Euro.

 

 

* Olga Grimm-Weissert, Metz/Basel, zitiert nach: “Wenn Maschinen malen ….” (“Handelsblatt” – Wochenende 16./17./18. August- Rubrik Kunstmarkt, S. 58f.)

** “Derzeit lebt die Künstlerin in der südhessischen Kurstadt Bad König im Odenwald. Dort hat sie den “Rebecca Horn Workshop” gegründet, eine Art Privatmuseum mit Atelier für ihre Sammlung”. (Grimm-Weissert nach “Handelsblatt”, dito, S. 59)

Bad König. Eine Nachfahrin des Bad Königer Kurpioniers Ludwig Schnauber, nämlich Frau Scheiding- in Halle wohnhaft- besuchte am vierten Juliwochenende 2019 zusammen mit ihrem Gatten erstmals das Kurstädtchen Bad König. Hinzu kam noch ein weiterer Nachfahre von Ludwig Schnauber, Prof. Dr. Herbert Schnauber aus Bochum, der auf Besuch seiner früheren gymnasialen Jahrgangsschulkameraden gerade im Odenwald weilte. Ein Besuch am Grab von Ludwig Schnauber und dessen Gattin Margareta galt natürlich als Höhepunkt. Natürlich wurde zur Ehrung Ludwig Schnaubers ein wundervolles Lilien-Blumen-Gebinde niedergelegt. Der Dank galt auch der Stadt Bad König und besonders den städtischen Friedhofsmitarbeitern, die dem historischen Grab- von Efeu bestückt- den “Sommerschnitt” gaben.
Ludwig Schnauber, der neben Buchold quasi Kur und Fremdenverkehr historisch um die vorletzte Jahrhundertwende federführend “anschob”, hatte als erste Kurgäste “die Frankfurter Mädchen” zum Verweilen in der damaligen Odenwald-Gemeinde an der Mümling mehrtägig bzw. mehrwöchig zugegen, wobei er den Gästen aus der Main-Metropole “Bade- und Trinkkuren” empfahl- damals mit Hilfe der “Luisenstahlquelle”, benannt nach Schnaubers Tochter Luise. Die Trinkkurabende fanden zu dieser Zeit an der Stelle statt, wo später der Fafnirbrunnen war, heute das partielle Ensemble der Odenwald-Therme (Frankfurter Straße) sich westwärts befindet, siehe unsere historische Aufnahme von 1955 im Titelbild.        Reinhold Nisch, HGV Bad König e.V.

(Scans der historischen Aufnahmen: Reinhold Veit/HGV Bad König e.V.- aktuelle Fotos dieser Seite: Herr Scheiding, Halle)

(Foto-Rechte: Luise Neumeuer, Bad König/Scan: Reinhold Veit, HGV Bad König e.V.)

 

Der offene Mercedes rollt durch (Bad) König im Odenwald … und zwar aus freudigem Anlass

(Bad) König im Odenwald. Ein nobles Automobil der Marke Mercedes- wir vermuten in schwarzer Lackierung- fährt mit offenem Verdeck gerade durch die noch mittlere Bahnhofstraße Richtung Zentrum. Der Wagen mit dem Brautpaar (die Braut ist eine geborene Reeg, einst wohnhaft am “Kurvenknick” der Kimbacher Straße gegenüber der Ölmühle , die die Schwester vom dort auch wohnenden Adam Reeg gewesen ist * ) und dem Chauffeur/Wageneigentümer (Philipp Hoffart, “Ölmüller” – eben von der dortigen Ölmühle am Ortsausgang Richtung Kimbach) passiert gerade die Ein-/Ausfahrt zur Schillerstraße in die Bahnhofstraße. (Die dreiphasige Pflasterung von Fahrbahn und durch abgesetzte Rinne zum Bürgersteig hin mutet angenehm wohltuend in jeglicher Sichtweise an.) Rechts im Hintergrund erkennen wir noch die Konturen des einstigen Hauses Schnauber: Im Vergleich zu heute können wir noch bauliche Ähnlichkeiten erkennen; das ehemalige Haus Weimar links im Hintergrund beinhaltete dort schon ein Ladengeschäft, aber die Buntsandsteinfassade existiert heutzutage so nicht mehr. Das unbekannte Mädchen neben dem Fahrer Philipp Hoffart könnte ein Blumenmädchen gewesen sein- und auch der Bräutigam ist leider (noch) unbekannt. Alles schon gut 84 Jahre her.

* Ein Nachfahre -ein Neffe von Philipp Hoffart-der Landwirt Hoffart aus dem heutigen Bad Königer Stadtteil Etzen-Gesäß- hat das in einem Telefonat vom 17. Juli 2019 bestätigt. Der Vorname der Braut ist aber nach wie vor unbekannt.

 

Reinhold Nisch, Heimat- und Geschichtsverein Bad König e.V.  (Stand: 17. Juli 2019)

 

 

Heimatmuseum Bad König im Odenwald. Im Rahmen einer Umstrukturierung innerhalb des Heimatmuseums wegen der Erweiterung der “Historischen Foto-Ecke” gelangte ein weiteres langjähriges Ausstellungsstück wieder zu einem Mehr an Aufmerksamkeit. Und diese Geräte bildeten bestimmt hierzulande – aber besonders im Bad König der Kur, der 1950er und 1960er Jahre- “ein Stück Kulturgeschichte”, aber mindestens auch “Odenwälder Gasthäuser-Geschichte”. Es handelt sich dabei um die manuellen Spielautomaten (Fotos: R. Veit), wie sie in den Gaststätten der damalige Kurgemeinde Bad König meist hingen. Da man ganz oben in den Schlitz Geldmünzen (10 Pfennig-Münzen) “reinsteckte”, den roten Knaufhebel (mit Muskelkraft des rechten Arms = nach dem Hebelgesetz “Lastarm gleich Kraftarm”) dann betätigen konnte und darauf sehnsüchtig wartete- gab es eine dementsprechende dreistellige Zahlenkombination (oder wie hier nach drei angezeigten roten Querstrichen/ siehe den Gewinnplan am Autotmaten) nach Stillstand der Zahlenrollen – dass unten in der Ablage mehr Geldmünzen als Gewinn quasi herauskamen.

 

Warum aber wurde im Volksmund der Geldspiel-Automat denn eigentlich als “einarmiger Bandit” bezeichnet?

 

Wir vom Heimat- und Geschichtsverein Bad König e.V. denken jedoch, dass Sie bestimmt selbst darauf kommen werden!!!

 

 

 

Bad König im Odenwald. Im Heimatmuseum Bad König (Öffnungszeiten generell sonntags von 10.30 bis 12 Uhr oder bei Gruppen/Schulklassen nach Vereinbarung) befindet sich eine der größten öffentlichen Mausefallen-Sammlungen weit und breit! Aber manches Mal findet man auf dem Dachboden oder Keller eines alten Hauses/Gehöftes, in einem Trödlerladen, auf dem Flohmarkt oder sonstwo- man muss nur die Augen offen halten- oft per Zufall verschiedene Konstruktionen von Mausefallen, die das Museum unseres Städtchens noch nicht haben könnte. Deshalb bitten wir- wie jedes Jahr- in der bald bevorstehenden Ferien- und Urlaubszeit oder schlicht Sommerzeit, vielleicht einmal “so nebenbei” Ausschau nach Mausefallen zu halten.

So konnten sogar “alte/neuere” Fallen dem Heimatmuseum in den letzten Jahren übergeben werden, u.a. aus Niger, Laos wie aus heimischen Gefilden. Unsere beiden Fotos (Reinhold Veit/HGV Bad König e.V.) zeigen die “Schwedenfalle”, die ein damals frisch vermähltes Ehepaar vor gut vier Jahren aus Schwedens Hauptstadt Stockholm in einem dortigen Mini-Lädchen zufällig entdeckte, die Nationalfarben inbegriffen. Ihr HGV Bad König e.V.

 

 

Sehen Sie bitte dazu die vielen weiteren Seiten auf dieser Homepage: www.hgv-badkoenig.de  zum Thema “Maus/ Mausefallen/Mäusegeschichten für Kinder/ Die Maus Armstrong auf dem Mond- 50 Jahre Wiederkehr der ersten Mondlandung 1969-2019/Die Maus in der Kunst/Die Grafiti-Maus von Bad König”, z.B. :

“Zur Mausefallensammlung im Heimatmuseum Bad König passen die Mäusegeschichten in Buchformat für kleine und große Kinder”

“Exponate der besonderen Art- die Mausefallensammlung im Heimatmuseum Bad König”

 

(Stand: 04.Juni 2019)

 

 

(Beide Foto-Formate: Reinhold Veit – Copyright 2019/HGV Bad König e.V.)

 

Kunst auch in/an der Straße in Bad König- die 1960er Jahre lassen (etwas) in der Retrospektive grüßen

Bad König im Odenwald vor gut 60 Jahren: Wir schreiben den Beginn des neuen Jahrzehnts der 1960er Jahre, die übergeordnet heutzutage oft Jubiläumsjahre sind: Wir feiern diesjährig im Jahre 2019 z. B. das Jubiläum der ersten Mondlandung vor einem halben Jahrhundert, gleichfalls vor 50 Jahren das Gedenken an das Großereignis zum Woodstock-Festival; ferner gab es weltweite Protestbewegungen- und es kommt die Erinnerung an die erste Herztransplantation etwas zuvor in Südafrika auf. Dabei gab es noch viel, viel mehr an Ereignissen und historischen Fakten: Deutschland war (noch) geteilt, der Kalte Krieg bestimmte diese Nachkriegsordnung ca. zwei Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges, der Vietnam-Krieg diktierte  fast täglich die Schlagzeilen in der Presse, aber auch im Radio sowie in den wenigen TV-Sendern (Live-Übertragungen von Kontinent zu Kontinent gab es erst, als Telstar 1962 mit der ersten Satellitentechnologie im All da war und am 23. Juli 1962  dementsprechend die erste Fernsehdirektsendung aus den USA nach Weuropa kam) etc., etc…

Und nun haben wir seitdem in der überschaubaren damaligen Kurgemeinde Bad König im Odenwald zu jener Zeit an der Ecke Schillerstraße/Weyprechtstraße an einer Geschäftshaus-Fassade mit der Hausnummer 19 (linker Hand direkt neben dem später gebauten Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde Bad König) ein von Elektrohandwerksmeister Ernst Hofmann damals- eben in den 1960ern- in Auftrag gegebenes Werk, das man aus heutiger Sicht  als  ein” Kunstwerk in Mosaik der Zeitgeschichte”  von einer gewissen Relevanz bezeichnen kann.

Wie kam es dazu?

Elektro-Innungs-Handwerksmeister Ernst Hofmann merkte alsbald, dass im Außenbereich seines damaligen Elektrohauses- darin befand sich stets ein stattliches Angebot von TV-Geräten der ehemals neuesten Generation (“Fernseher”damals im Zeitgeist-Jargon genannt) – zusammen mit einer Vielzahl von Radioapparaten, Schallplattenspielern etc. – etwas fehlte. So kam er auf die einfallsreiche Idee, einen Künstler (Gestering) zu beauftragen, etwas Neues für die Außenfassade zu entwickeln. Es wurde planerisch vereinbart, etwas Besonderes zu gestalten, was mit “Fernsehen/Radio” etc. zu tun habe. So holte- laut Ernst Hofmann- der Künstler eigens aus Italien “Mosaikelemente” in verschiedenen glasierten Farben nach Bad König. Weiterhin hatte der in der Nachbarschaft von Ernst Hofmann einst wohnende Architekt Wilhelm König eine das Projekt während der Entstehungsphase beratend wie begleitende Assistenz-Funktion, damit es sich auch bestens in das Äußere einfügte.

Das Ergebnis konnte sich bei Vollendung sehen lassen, und es versetzte schon bei “Enthüllung/Fertigstellung” die ersten Betrachter/Innen in ein pures Staunen! (Kleine Anmerkung: Es ist etwas schade, dass mancher heutzutage etwas achtlos daran vorbeigeht. Dabei könnte eine Stadtführung dieses Exponat “in einer Routen-Schleife” durchaus einbinden.)

 

 Versuch einer Interpretation des “Bad König-Mosaik-Kunstwerkes” (Schillerstraße 19) :

Im Fokus des Mosaik-Kunstwerkes stehen Stuttgarter Fernsehturm (rechts) und der Berliner Funkturm (links), damals noch ein besonderes Wahrzeichen der geteilten Stadt Berlin im westlichen Teil, wo auch da schon die “Berliner Funkausstellung” traditionell mit den jährlichen Innovationen der “Fernseh- und Ätherwelt” stattfand- das Jahr 1960 in der Symbolik hinzugestaltet. Die Termini “Regler “, “Transistor” und “Blitz” bilden zudem die “Unterfütterung bzw. den Unterbau” des Ganzen- quasi als Sockel in der Kombination mit den Initialen des Auftraggebers (E.H.) und dem “G” des Künstlers zusammen mit der zweistelligen Zahl 67, was vermutlich auf 1967 hindeutet.

Linker Hand weisen zwischen den spitzgiebeligen Satteldachhäusern drei sich überlappende Kreise– in ihren Einzelbereichen mehrfarbig mosaikbestückt– mit höchster Wahrscheinlichkeit auf eine nun schon Historie gewordene Besonderheit hin: Das aufkommende Farbfernsehen (deutsches PAL-System) hält seinen Einzug bzw. wird  seinen Einzug zunehmend  langsam und “Stück für Stück” in den “Wohnstuben” der noch jungen Bundesrepublik Deutschland halten! Die bei beiden Sendetürmen (Berlin und Stuttgart) in deren Antennenbereichen sich zeigende, in verschiedenen Mosaik-Stein-Kreisen nach außen sich offenbarende, erkennbar zirkulierende Ausstrahlwirkung demonstriert die massive und farblich konzentrische Wirkungsgewalt hin von den Sendern zu den oft- was die Reichweite betrifft- zig Kilometer entfernten Empfängern!

 

(Text: Reinhold Nisch, Heimat- und Geschichtsverein Bad König e.V.)

 

 

(Anmerkung: Der Text wird bei zusätzlichen Recherchen noch heimat- und zeithistorisch ergänzt werden- eventuell mit übergeordneter Literatur zu Kunst-Mosaiken, die es ja schon im Römischen Reich bzw. Altertum- funktional verschiedenartig- gab. So gesehen hatte der Künstler Gestering diese Kunst in die Gegenwart der 1960er Jahre nach Bad König im Odenwald geholt.)

 

 

Presse:

“Öffentliche Kunst auch in/an der Straße in Bad König- die 1960er Jahre lassen grüßen” , Quelle: “Mümling-Bote- Allgemeiner Anzeiger für Höchst im Odenwald und die Unterzent”- 139. Jahrgang/Nr. 24 (D- 64739 Höchst i. Odw./Erbacher Str. 2/ Tel.: 06163-2264)  vom 14. Juni 2019, S. 3

 

 

 

 

Bad König. Das Heimatmuseum Bad König hat auch am kommenden Sonntag (19. Mai 2019), der auch diesjährig Internationaler Museumstag ist, von 10.30 – 12 Uhr geöffnet. Es wird dabei angeboten, Teilbereiche des Museums bei Bedarf den Besucherinnen und Besucher speziell mit weiteren Erkenntnissen näher zu bringen. So hatte das Museum z.B. vor zwei Wochen eigens angereiste Besucher aus Würzburg (!) auf Tagestour zu Gast,

und nur- weil man auf der HGV-Homepage (www-hgv-badkoenig.de) “sich brennend” für die historische Mausefallensammlung, die Schneider/Innen-Ecke sowie die “Historische Foto-Ecke” interessierte. Dabei wird auch sehr empfohlen, im werdenden Bad Königer “Dreier-Verbund” das Georg-Vetter-Museum und das Technik-Museum mit anderen wertvollen thematischen Exponaten zu besichtigen.

Ihr HGV Bad König e.V.

 

Das Heimatmuseum Bad König beherbergt u. a. auch eine beeindruckenswerte Mausefallen-Sammlung (Fotos: R. Veit) !

(Alle Fotos: Reinhold Veit/HGV Bad König e.V.)

Werner Heil beeindruckt in einem fulminanten Referat das Auditorium über die Schweizer Einwanderung in den Odenwald, Bergstraße und Pfalz- Bad Königer HGV-Vortragsreihe erlebt weiteren Höhepunkt

Bad König. Am Donnerstag (2. Mai 2019) war der in der Schweiz lebende Werner Heil zu Gast beim Heimat- und Geschichtsverein Bad König e.V. in der Historischen Rentmeisterei  am Schlossplatz. Im voll besetzten großen Saal zog der Referent “alle Register” seines über zwei Dekaden an Jahren währenden Forschungsdranges zur Auswanderung der Schweizer “nach Norden” hin zum Odenwald, Bergstraße und zur Pfalz- dies seit dem Dreißigjährigen Krieg, sogar auch noch Jahrzehnte früher. An diesem Abend wurde auch völlig überraschend und quasi druckfrisch Werner Heils umfangreiches wie stark erweitertes Buch “Schweizer im Odenwald und an der Bergstraße” /Gendi-Verlag Otzberg 2019 (ISBN: 978-3-946295-41-9/28,50 Euro) in zweiter Auflage (mit zahlreichen Karten- und Statistikmaterial versehen) vom Verlag (www.gendi.shop.de) selbst präsentiert.

Werner Heil- ein “Bad Königer Bub”, der in Michelstadt sein Abitur machte, lebte und arbeitete ab dem 25. Lebensjahr in der Schweiz- machte plausibel, dass gerade nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) viele neue Einwanderer aus der Schweiz in das stark durch die Kriegsgräuel bevölkerungsmäßig dezimierte Mitteleuropa kamen- und gerade auch in den Odenwald und die gleichfalls entvölkerte Bergstraße. So spielten exemplarisch sowohl die konfessionelle Zugehörigkeit ebenso eine Rolle wie die Vertreibung Andersgläubiger, wobei noch eine Art Mixed aus politischer Verfolgung, purer ökonomischer Not und auch das Trachten nach wirtschaftlichem Erfolg sich hinzugesellte. So konnte man im Odenwald dennoch einen Hof mit ca. 25 ha Fläche erwerben- das Äquivalent eines halben Jahreslohnes eines Handwerkers. Auch wurde zunächst unter sich geheiratet. “In den 20 Jahren seiner Recherchen in schweizerischen Archiven fand Heil viele Familien, die teilweise über mehrere Stationen in den Odenwald kamen. Deshalb wurden auch Listen aus dem Kraichgau und der Kurpfalz verarbeitet. Zu vielen sammelte er entscheidende Hinweise über deren Herkunft und zu den Heimatorten der Familien in der Schweiz.” (Zitat/Klappentext des Buches)

Die Schweizer ließen sich in den engen Regionen des Elsass, in den links- und rechtsrheinischen Gebieten des Rheines gerade im Kraichgau nieder. Die Grafschaft Erbach im Sekundärareal dieser Gebiete nutzte die politischen und regionalen Verflechtungen der Kurpfalz zum Anwerben von Aussiedlern. Die Schweizer Auswanderer wurden- wenn überhaupt- sehr lückenhaft erfasst, und auch in den letzten Jahren und heute noch gibt es fast kaum wissenschaftliches Forschungsinteresse in der eidgenössischen Geschichtswissenschaft daselbst, diese Forschungslücken zu schließen. Ausnahme ist da schon Werner Heil, der sich da verdienstvoll herangewagt hat.

Wo waren die Leute der Schweizer Migration denn tätig? Landwirtschaft/Forstwirtschaft, Handwerkswesen, Bergbau und Eisenschmiede, aber auch Pfarrer und Lehrer wie den Soldatendienst machende Schweizer sind hier zuvörderst zu nennen.

Wie waren die Wanderrouten der Schweizer Auswanderer “nach dem mitteleuropäischen Norden?” Basel und Schaffhausen/Bodensee waren innerschweizerisch die beiden kardinalen Ausgangsrouten, um auch über die Schiene “Freiburg im Breisgau- Karlsruhe- nach Mannheim/Ludwigshafen und Heidelberg” letztendlich  auch in den Odenwald zu gelangen. (Die Rheinfahrt entfiel weitestgehend pekuniär.)

Hierbei folgten die Auswanderer bei der Selektion der Zielgebiete den “vorgefertigten Trampelpfaden” (so Heil), die von Kaufleuten, Handwerkern, Bauleuten, Pfarrern und Täufern quasi “vorgespurt” wurden.

Heil wies z. B. überzeugend zudem noch nach, dass auch heute im Odenwald(kreis) exemplarisch noch geläufige Nachnamen wie Bitsch (ursprünglich in der Schweiz/CH Pitsch/i), Neff (Näf) , Kredel (Grädel),Schanz (Tschanz) , Glenz ( Kläntschi), Schenkel (Schenkel), Schönberger (Schönenberger), Egli (Egli) oder Dascher (Täscher) u.a. schweizerischen Ursprunges sind- partiell leicht abgeändert (auch durch Hör- und Übertragungsfehler hiesiger Behörden). Alles in allem war es ein gelungener Frühlingsabend der besonderen Historie, der mit einem zahlreichen Fragekatalog aus dem Auditorium gegenüber dem Referenten, der alles zufrieden beantworten konnte, endete. HGV-Vorsitzender Reinhold Nisch dankte abschließend dem Referenten für die fundierte Analyse zum alle interessierenden Thema, dem HGV-Vorstand mit Heidi Hoffmann, Renate März, Reinhold Veit und Alexander Körner für die Vorbereitungen und Durchführung der Veranstaltung, wünschte zuletzt den zahlreichen Besuchern der Verantaltung ein gute Heimkehr.

 

 

Weitere Literatur (Schweizer Auswanderung im 19. Jahrhundert u.a):

Dominik Sauerländer/School of Education FHNW, Windisch: Die Schweiz als Auswanderungsland- Wirtschaftliche Not führte im 19. Jahrhundert zu drei grossen (großen) Auswanderungswellen/Liestal vom 6. April 2016 /Literatur: Die vollständige Literaturliste ist zu finden in der Online-Version unter www.sanp.ch (Stand: 05.05.2019)

 

Auch sehr empfehlenswert:

Daniel Defoe: Kurze Geschichte der pfälzischen Flüchtlinge /Mit einem Vorwort von John Robert Moore- Aus dem Englischen von Heide Lipecky, Frankfurt am Main (Büchergilde Gutenberg- ISBN  978-3-7632-7086-6 / www. buechergilde.de) 1. Auflage 2019          Daniel Defoes Bericht “A Brief History of the Poor Palatine Refugees” erschien erstmals im Original schon im Jahre 1709.

 

 

 

 

 

 

Bad König. Unser historischer wie winterlicher Blick zeigt einen Ausschnitt der noch mittleren Elisabethenstraße (im Übergang zum Schlossplatz) mit Schwerpunkt auf das Anwesen “Bäckerei Georg Ross”, was auch offenbart, dass ein gewisser Zierbaumbestand schon damals verschönernd wirkte – und vor einem Kleinlastwagen werden drei Kinder sogleich vom unbekannten Fotografen “mit aufs Bild gebracht” (Foto: HGV Bad König e.V.).

Reinhold Veit vom HGV-Vorstand arbeitet schon etliche Wochen daran, dass in der Selektion historische Aufnahmen den gleichen lokalen Punkten der Gegenwart Bad Königs in Gegenüberstellung (Bad König im “Einst und Jetzt”) gebracht werden können. Was am Ende herauskommt? Ach, lassen Sie sich bitte etwa zum Jahresende doch einmal überraschen! Ihr HGV Bad König e.V.

 

(Stand: 25.03.2019)