Bad Königs einstige „Polizei-Wache“ in der Friedrichstraße

Bad König im Odenwald. In den 1950er zu den 1960er Jahren gab es im noch jungen Bad König- 1948 wurde erst der Titel „Bad“ erworben- etwas, was heute schon längst nicht mehr vorhanden ist.

Die Zeiten damals waren nicht so verkehrsintensiv, will heißen, dass längst nicht so viel Motorisiertes und Größeres an fahrbaren Untersätzen vorhanden war, obwohl in der Bahnhofstraße noch die B45 (!) hindurchführte, Kurbetrieb und Fremdenverkehr allmählich sehr intensiv „in die Gänge“ kamen, die einsetzenden Wintermonate sogar hier in den Straßen und Gassen üppig schneereich waren. Unterhalb dieses Gebäudes öffnete morgens um 10 Uhr ein nettes, mit hölzernen Stühlen und Tischen bestücktes Café mit kleiner Torten- und Kuchenauswahl, und an Rosenmontagen und Fußballweltmeisterschaften, eingeengt besetzt, schaute man den Schwarz-Weiß-TV-Übertragungen zu, da ja privat kaum dies mangels TV-Geräten in den Haushalten vorhanden war. Im Frühjahr zum Sommer hin kam in den 1950ern die Hula-Hoop- Welle auf. Versorgungsprobleme: Überhaupt nicht! Denn im zwei Häuser vom besagten Café entfernten Traditions- Kaufhaus -der Gebrüder Joseph- gab es die gewünschten Ringe in prächtiger Farbauswahl! Ganze „Kinder-Scharen“- nun eben als „Hula-Hoop-Kinder“ altbundesrepublikanisch im Wortgebrauch erkoren- bewegten bzw. schlängelten sich mit ihren Reifen auf dieser Straße- kaum befahren- die heute noch Friedrichstraße heißt. Vor dem Haus (oben geschindelt) befand sich im Erdgeschoss die „Polizeiwache“, besetzt mit zwei Polizeibeamten (hier noch grün uniformiert), und ein grüner „Polizei-VW-Käfer“ (im Jargon „Grüne Minna“ genannt) parkte vor dem für heutige Verhältnisse beschaulichen polizeilichen Dienstbüro: Diese Polizisten- der eine sehr hager, der andere mittelgroß (mit Rundbrille), dazu gesellte sich etwas später noch ein dritter Beamter- auch nicht so groß von Gestalt, waren nun da und „nachkriegspräsent“ im Bad König jener Zeit im Kreis Erbach. Aber sie alle taten gewissenhaft ihren jeweiligen Dienst- ohne High Tech, Internet etc. Die „Dienst-Maschine“ zum Notieren war die gute alte Olympia-Schreibmaschine, die-aus welchen Gründen auch immer-etwas später zur Markenbezeichnung „Monika“ mutierte. (Der Ohrwurm von Schlagersänger Peter Orloff „Monika“ kam auch paar Jährchen später „im Äther“ und in den Hitparaden groß heraus, wurde auch live von den Kapellen oder Einzelunterhaltern in den Tanzlokalen dargebracht oder in den Wirtshäusern durch eine Münze in den Musikboxen oft angewählt.)

Wie schon gesagt, der VW-Käfer in Grün parkte oft davor vor jenem schnuckeligen Haus, wenn Schreib-, Protokollarbeiten, Telefondienst und weitere dienstliche Arbeiten zu verrichten , keine Einsätze oder Streifenfahrten dienstgemäß zu absolvieren waren in diesen Wirtschafswunderjahren, wo der „Alte von Rhöndorf“ (Bundeskanzler Konrad Adenauer)- wir schreiben noch die alte Bundesrepublik Deutschland, die viel später nach der Deutschen Einheit 1990 erst „Bonner Republik“ von den Historikern genannt werden wird,  und „der Dicke“ (der populäre Wirtschaftsminister Prof. Ludwig Erhard, späterer intonierter Wahlkampfslogan „Lasst doch mal den Dicken ran, lasst ihn zeigen, was er kann“, was ihn dann auch etwas half- historisch stark verkürzt- auch Bundeskanzler zu werden- unser Leben begleiteten. Zurück zu unserer „Friedrichstraßen-Polizeiwache“ (wohlgemerkt, wir befinden uns nicht im damaligen West-Berlin, wo die dortige Friedrichstraße auch heute noch in vielen gedruckten Werken populärer ist, als es unsere kleine bescheidene „Kinnicher Friedrichstraße “  je sein wird. Aber sie wird  gleichfalls ihren unumstößlichen  Charakter mit unzähligen Biografien, Geschichten und Anekdoten haben: Wieder zurück zu unserer „Wache“. Man war auch oft- polizeilich betrachtet- per Pedes unterwegs. Viel, viel Weiteres würde es „von dieser Lebensecke“ noch zu erzählen geben…von der Arbeit in den umliegenden Geschäften, Fabriken, Manufakturen, aber auch viel Lustiges und Erfreuliches. Aber es war eine andere Zeit- längst verblichen, wie paar Sandkörner, die weggespült etwas weiterziehen, an manchen Uferbänken der nahen Mümling, wo nur noch in Erinnerungen der damals schon Lebenden etwas bleibt, eine Zeit, die immer wieder anders sein wird, auch dann später für die vielen, vielen  neuen Jahrgänge mit dann deren Rückerinnerungen, ob in einer Straße, auch  in einer Straßen-Triade zwischen Bahnhofstraße (deren Abzweiger Gartenweg alias „Babbagässje“), der mittig kleineren Friedrichstraße und der Jahnstraße in Bad König im Odenwald.

Textverantwortlich: Reinhold Nisch

Anmerkung: Diese Story ist noch im Aufbau, ist zu überarbeiten.

 

Das Gebäude, in dem es im „jungen“ Bad König die Polizei-Wache (im Erdgeschoss und Wohnung im ersten Stock) gab.

 

 

 

 

 

 

HGV Bad König e.V.-30.11.2022